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Augenfarben: Entstehung, Vererbung und Häufigkeit

Weltweit gibt es unzählige verschiedene Augenfarben. Neben den Hauptfarben Blau, Grün, Grau und Braun gibt es auch viele Zwischennuancen, die jeden Menschen absolut einzigartig machen. Welche Augenfarbe ein Mensch nach der Geburt haben wird, lässt sich nur schlecht vorhersagen – bei der Vererbung spielen viele Faktoren eine Rolle. In diesem Beitrag gehen wir genauer darauf ein, wie die Augenfarbe entsteht, welche Augenfarben es gibt und in welcher Häufigkeit Augenfarben weltweit vorkommen. Möchtest du mehr rund um das menschliche Auge erfahren, findest du in unserem Ratgeber Wissen eine Vielzahl an Beiträgen, die sich auch mit der Augengesundheit und Augenkrankheiten befassen. 

Auf einen Blick

  • Die häufigsten Augenfarben auf dieser Welt sind Braun, Blau, Grün und Grau. Es gibt jedoch auch viele Nuancen dazwischen, sodass die Augenfarbe eines Menschen stets einzigartig und individuell ist. 

  • Welche Augenfarbe man hat, hängt von vielen genetischen Faktoren ab. Neben den Genen der Eltern können auch die Gene früherer Generationen eine Rolle spielen. 

  • Der Farbstoff Melanin spielt bei der Entstehung der Augenfarbe eine tragende Rolle. 

  • In seltenen Fällen kann hinter einer ungewöhnlichen Augenfarbe oder einer farblichen Anomalie im Auge auch eine Erkrankung stecken. 

  • Jeder Augenfarbe werden bestimmte Charaktermerkmale und Wesenszüge zugeschrieben – eine wissenschaftliche Grundlage für diese Theorien gibt es aber nicht. 

Wie entsteht die Augenfarbe?

Das Auge gehört zu den komplexesten Organen im menschlichen Körper. Ist von der Augenfarbe die Rede, so handelt es sich eigentlich nur um die Farbe, die die Iris trägt – also der farbige, runde Ring, der sich um die Pupille herum befindet. Entscheidend ist dafür der Farbstoff Melanin: Das rötlich-braune, manchmal sogar fast schwarze Pigment beeinflusst maßgeblich die Augenfarbe. Je höher der Anteil an Melanin in der Iris ist, desto dunkler erscheinen die Augen.  

Im Laufe des Lebens verändert sich der Melanin-Anteil im Auge. So haben Neugeborene aus Mitteleuropa unmittelbar nach der Geburt blaue Augen, die jedoch im Laufe der ersten Lebensmonate nachdunkeln. Erst mit rund 2 Jahren hat sich die endgültige Augenfarbe eines Menschen entwickelt. Vereinzelt kann es aber auch vorkommen, dass sich die Augenfarbe auch im Erwachsenenalter noch verändert – meist jedoch wird sie nur dunkler.  

Die Rolle der Iris und ihre Funktion im Auge 

Der farbige Teil des Auges, die Iris, wird im deutschen Sprachgebrauch auch als Regenbogenhaut bezeichnet. Sie setzt sich neben dem Farbstoff Melanin vor allem aus Muskelgewebe zusammen. Im Zentrum der Iris befindet sich die Pupille, die für das eigentliche Sehen verantwortlich ist. Dementsprechend ist die Regenbogenhaut vor allem dafür gedacht, den Lichteinfall auf die Netzhaut (Retina) zu regulieren und damit das scharfe Sehen zu unterstützen. Die Muskeln, die in der Iris zu finden sind, ziehen sich bei Helligkeit zusammen, um den Lichteinfall zu reduzieren. Bei Dunkelheit dagegen lockert sich die Muskulatur in der Iris, sodass sich die Pupille weiten und mehr Licht hereinlassen kann.  

Tatsächlich hat die Augenfarbe eines Menschen Einfluss auf die Funktionsweise der Iris. Dunkle Augen verfügen über einen höheren Melanin-Anteil und sind dadurch besser geschützt vor UV-Strahlung und direktem Sonnenlicht – und damit weniger lichtempfindlich. Anders dagegen bei Menschen mit hellen Augen, die gegenüber starker Sonneneinstrahlung sehr empfindlich reagieren. Daher entscheidet auch deine Augenfarbe darüber, wie gut du in der direkten Sonne sehen kannst oder ob du schnell geblendet wirst.  

Möchtest du noch tiefer in die Thematik eintauchen? In diesem Beitrag erfährst du mehr rund um die Funktionsweise des Auges

Welche Augenfarben gibt es?

Es gibt zwei verschiedene Arten von Melanin, die beide in der Regenbogenhaut des Auges vorkommen. Eumelanin ist dabei vor allem für dunkle Farben von Braun bis Schwarz verantwortlich, während Pheomelanin vor allem rötliche und gelbliche Töne beeinflusst. Je nachdem, welche Art von Melanin im Auge dominiert, entsteht eine ganz individuelle Augenfarbe. 

Braune Augen 

Braune Augen kommen weltweit am häufigsten vor – rund 90 Prozent der Weltbevölkerung hat braune bis schwarze Augen. Vor allem im Süden und in warmen, sonnigen Ländern dominiert der braune Farbton die Augen, was auch auf evolutionäre Gründe zurückgeht: In Ländern mit hoher Sonneneinstrahlung benötigen die Augen durchschnittlich mehr Schutz vor UV-Strahlung als in kühlen, nördlichen Ländern. Der Eumelanin-Anteil ist bei braunen Augen besonders hoch, sodass das Pigment das Licht stark absorbiert. Dadurch erscheinen die Augen sehr dunkel und weisen Farbtöne zwischen einem hellen Braun bis hin zu einem dunklen, fast schwarzen Braunton auf.  

Blaue Augen 

Nur rund 8 Prozent aller Menschen weltweit haben blaue Augen. Die globale Verteilung ist dabei sehr einseitig: Vor allem in nördlichen Regionen kommen blaue Augen sehr häufig vor, in Estland sind es ganze 99 Prozent aller Einheimischen, dicht gefolgt von Ländern wie Schweden und Finnland. Der Melanin-Anteil ist bei blauen Augen sehr gering, sodass das Licht in der Iris streut und die blaue Färbung entsteht. Dementsprechend sind blaue Augen weniger widerstandsfähig gegen UV-Strahlung – bei einigen Menschen führt das zu einer schnelleren Blendungsneigung bei Sonneneinstrahlung.  

Grüne Augen 

Grün ist die seltenste Augenfarbe der Welt – nur rund 2 Prozent aller Menschen weltweit haben grüne Augen. Während braune Augen über sehr viel Melanin verfügen und blaue Augen nur sehr wenig Melanin in sich haben, bewegen sich grüne Augen genau im Mittelfeld. Der individuelle Farbton hängt dabei von der exakten Konzentration von Melanin ab: Grünbraune und grünblaue Augen kommen vergleichsweise häufig vor, während Smaragdgrün und graugrün sehr selten sind. Mitunter können grüne Augen sogar mit einem leichten Gelbschimmer einhergehen, der ebenfalls durch die Melaninkonzentration bestimmt wird. Besonders verbreitet sind grüne Augen in Nord- und Zentraleuropa, insbesondere in Schottland, wo stolze 29 Prozent aller Einwohner grüne Augen tragen.  

Graue Augen 

Im Alltag werden graue Augen häufig mit blauen Augen gleichgestellt, tatsächlich handelt es sich jedoch um eine eigenständige Augenfarbe. Rund 3 Prozent aller Menschen weltweit haben graue Augen, vor allem in nördlichen Regionen wie Finnland und Schweden, vermehrt aber auch in Osteuropa. Der Melanin-Gehalt in grauen Augen ist noch geringer als bei blauen Augen, sodass die strahlend silbrige Augenfarbe entsteht, die sich in helleren und dunkleren Nuancen zeigen kann. Oft kommt es vor, dass graue Augen mit einem leicht farblichen Schimmer einhergehen, der von den drei weiteren Augenfarben beeinflusst wird – grau-blaue Augen kommen dabei am häufigsten vor, während grau-braune und grau-grüne Augen eher selten sind.  

Genetische Vererbung: Wie beeinflussen Gene die Augenfarbe?

Die Vererbung von Augenfarben ist bis heute noch nicht abschließend erforscht. Klar ist, dass die Augenfarbe der beiden Elternteile maßgeblichen Einfluss auf die Augenfarbe der Kinder hat. Allerdings lässt dies allein noch keinen sicheren Rückschluss darüber zu, welche Augenfarbe ein Kind haben wird – auch die Gene der vorherigen Generationen scheinen einen Einfluss auf die Entstehung der Augenfarben zu haben. Dabei wird nicht die Augenfarbe selbst vererbt, sondern lediglich die Menge an Melanin, das die Augenfarbe entstehen lässt, genetisch weitergegeben. Dadurch ist es zwar möglich, prozentuale Wahrscheinlichkeiten für die Entstehung der Augenfarbe zu ermitteln, allerdings keine exakte Ermittlung der zu erwartenden Augenfarbe.  

Lange Zeit glaubte man, dass das Davenport-Modell die Vererbung der Augenfarbe definiert. Dabei ging man davon aus, dass nur ein einziges Gen die Augenfarbe eines Menschen bestimmt. Jeder Augenfarbe wurde ein eigenes Gen zugewiesen, das anschließend in dominant und rezessiv unterschieden wurde. Das Gen für braune Augen ist dominanter als das Gen für blaue Augen – hat also ein Elternteil braune Augen und der andere Elternteil blaue Augen, so hat das Kind im Anschluss mit großer Wahrscheinlichkeit braune Augen. Die Tatsache, dass manche Augenfarben dominanter vererbt werden als andere, konnte tatsächlich belegt werden. Die Dominanz der Farben lässt sich in absteigender Reihenfolge benennen: Braun, Grün, Blau, Grau. Allerdings spielen derart viele Faktoren bei der Entstehung der Augenfarben eine Rolle, dass die Dominanz des Gens allein nicht ausschlaggebend für die schlussendliche Augenfarbe ist. So können beispielsweise auch die Augenfarben der Großeltern oder Urgroßeltern einige Generationen überspringen und sich erst später erneut zeigen. Zwar sind braune Augen in dem oben genannten Szenario mit einem braunäugigen und einem blauäugigen Elternteil wahrscheinlich, allerdings könnte das Kind auch blaue, graue oder grüne Augen bekommen.   

Dennoch ist die Dominanz der Augenfarben nicht gänzlich außer Acht zu lassen, wenn es um die Häufigkeit der Augenfarben geht: Die Tatsache, dass braune Augen deutlich verbreiteter sind und weltweit am häufigsten vorkommen, ist vor allem der Dominanz des Gens für braune Augen zu verdanken. 

Wie lange ändert sich die Augenfarbe? 

Viele Babys kommen bei der Geburt mit blauen Augen zur Welt. Das bedeutet aber nicht, dass die Kinder auch ihr Leben lang blaue Augen tragen: Die Melanozyten produzieren in der Iris zwar schon während der Schwangerschaft etwas Melanin, jedoch nur sehr wenig – so entstehen die blauen Augen nach der Geburt. Abgeschlossen ist die Melaninproduktion jedoch erst im Alter von ca. 2 Jahren, sodass sich die Augenfarbe in dieser Zeit noch grundlegend verändern kann. Die endgültige Augenfarbe hängt dann davon ab, wieviel Melanin der Körper in dieser Zeit produziert hat. Mit viel Melanin entstehen dunkle, braune Augen, während ein geringerer Anteil zu grünen, blauen oder grauen Augen führen kann.

Im Erwachsenenalter kann sich die Augenfarbe in seltenen Fällen ebenfalls ändern, meist jedoch nur in einem geringen Maße – und in der Regel werden die Augen mit zunehmendem Alter eher dunkler statt heller. Zudem gibt es einige Krankheiten, die die Augenfarbe auch nachträglich noch verändern können. Wenn Sie feststellen, dass sich Ihre Augenfarbe plötzlich ändert, ist daher ein Besuch beim Augenarzt ratsam. 

Genetische Auffälligkeiten bei der Augenfarbe

Es gibt genetische Besonderheiten, die einen maßgeblichen Einfluss auf die Augenfarbe haben.  

Albinismus 

Menschen, die mit einem angeborenen Albinismus zur Welt kommen, weisen entweder am ganzen Körper oder in bestimmten Bereichen des Körpers eine Störung bei der Melaninproduktion auf – sie verfügen also über deutlich weniger Farbpigmente als gesunde Menschen. Die Haut, Haare und Augen wirken bei den Betroffenen sehr hell. Je stärker die genetische Veränderung ausgeprägt ist, desto deutlicher ist dies erkennbar – bei schwächeren Formen wirkt die Augenfarbe hellblau oder hellbraun, während die Augen bei einem ausgeprägten Albinismus hellblau, teilweise sogar rosa wirken können.  

Iris-Heterochromie 

Die Iris-Heterochromie kommt bei Menschen und im Tierreich gleichermaßen vor, insbesondere bei manchen Hunderassen wie dem Siberian Husky gilt sie sogar als Schönheitsmerkmal. Diese genetische Veränderung zeigt sich durch zwei verschiedene Augenfarben – ein Auge kann beispielsweise blau, das andere braun sein. Die Ursache liegt in einer Pigmentierungsstörung in einem der beiden Augen – der Pigmentanteil unterscheidet sich vom anderen Auge. So zeigt jedes Auge eine eigene Farbgebung. In der Regel handelt es sich bei dieser Veränderung um eine harmlose Laune der Natur, allerdings können auch ernstzunehmende Erkrankungen hinter der Iris-Heterochromie stecken. 

Können Krankheiten die Augenfarbe verändern?

Grundsätzlich ist eine umfängliche Veränderung der Augenfarbe nach den ersten zwei Lebensjahren nicht mehr möglich – allerdings gibt es durchaus Krankheiten, die die Augenfarbe verändern können. Während manche davon harmlos sind und nicht behandelt werden müssen, handelt es sich bei anderen um ernstzunehmende Erkrankungen des Auges. Wenn sich deine Augenfarbe plötzlich ändert, ist daher ein Besuch beim Augenarzt ratsam. 

  • Irisflecken: Irisflecken entstehen durch verschiedene Veränderungen am Auge, beispielsweise starke UV-Strahlung. Sie sind in der Regel harmlos und erinnern an Sommersprossen. 

  • Iris-Nävi: Auch bei dem Iris-Nävi handelt es sich um eine meist gutartige Veränderung am Auge, ähnlich einem Muttermal – und dadurch etwas größer als die Irisflecken. Sie werden durch veränderte Pigmentzellen verursacht, die innerhalb des Auges langsam wachsen. Iris-Nävi sind zwar harmlos, können jedoch auch ein Krebsrisiko darstellen und sollten daher regelmäßig vom Augenarzt überprüft werden. 

  • Lisch-Knötchen: Hierbei handelt es sich um kleine, bräunliche Erhebungen innerhalb der Iris, die im Laufe des Lebens wachsen können. In der Regel kommen diese Knötchen nur bei Menschen vor, die unter Neurofibromatose leiden. 

  • Fuchs-Heterochromie-Iridocyclitis: Diese Erkrankung entsteht, wenn sich die Strukturen im vorderen Bereich des Auges – inklusive der Iris – entzünden. Dadurch kommt es zu einem Verlust von Pigmenten innerhalb der Regenbogenhaut, sodass sich die Augenfarbe verändert. 

  • Pigmentdispersionssyndrom: Bei dieser Erkrankung werden die Pigmente innerhalb der Iris freigesetzt, sodass es zu einer farblichen Veränderung und verschwommenem Sehen kommt.  

  • Pseudoexfoliationssyndrom: Im Rahmen dieser altersbedingten Erkrankung sammelt sich ein flockiges, weißliches Material innerhalb des Auges und kann dabei auch die Iris und die Linse betreffen. Es handelt sich um eine harmlose Erkrankung, die jedoch das Risiko für ein Glaukom erhöhen kann. 

  • Verletzungen und Traumata: Verletzungen am Auge können die Iris beschädigen und so zu einem Verlust von Gewebe führen. Dadurch kann die Augenfarbe anders aussehen als zuvor. 

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