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    Interview mit Prof. Dr. Exner, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Krankenhaushygiene.

    Prof. Dr. Exner war bis zu seiner Emeritierung im Jahr 2020 mehr als 26 Jahre Direktor des Instituts für Hygiene und öffentliche Gesundheit am Universitätsklinikum in Bonn. Er gilt als einer der profiliertesten deutschen Hygieneexperten mit einem Schwerpunkt im Bereich der Infektionsprävention, Ausbruchmanagement, Krankenhaus- und Wasserhygiene sowie Global Health.

     

     

    Herr Prof. Dr. Exner, als Herr Fielmann im März 2020 auf Sie zukam und Sie gebeten hat, ein Gutachten mit Hygieneregeln zu erstellen, hatten Sie als Hygienewissenschaftler bereits sehr viel mit der beginnenden Pandemie zu tun. Was hat Sie an dem Projekt gereizt?  

    Insbesondere ältere Menschen sind auf Seh- und Hörhilfen angewiesen, sie haben eine erhebliche Bedeutung und sind entscheidend für die Kommunikation, die Aufnahme von Informationen und für die Lebensqualität und damit Teil der Daseinsvorsorge. Daher war es für mich zum einen eine Selbstverständlichkeit, zum anderen hat es mich gereizt, mich dieser Aufgabe als Hygieniker zu stellen. Ein weiterer wichtiger Motivationsgrund war für mich aber auch das große persönliche Engagement von Herrn Fielmann und seine mich tief beeindruckende, ehrliche Fürsorge für seine Mitarbeiter und Kunden.

     

    Im März 2020 standen wir noch am Anfang der Pandemie. Welche Herausforderungen haben Sie in der Aufgabe gesehen und wie sind sie diesen begegnet?  

    Eine der großen Herausforderung war, die hygienischen Grundprinzipien der Infektionsprävention und Kontrolle, wie sie erst später im Lauf der Pandemie zum Allgemeingut geworden sind, zu etablieren, zum Beispiel die Abstandsregel, der Mund-Nasen-Schutz oder die Reinigung und Desinfektion im Geschäftsbetrieb. Insbesondere das Tragen von Masken war zum damaligen Zeitpunkt noch nicht vonseiten der Gesundheitsbehörden als wichtige Hygienemaßnahme verbindlich anerkannt. 

    Für die Erstellung des Gutachtens war es daher wichtig, sich vor Ort die Arbeitsverhältnisse anzusehen, mit den Mitarbeitern die Handlungsabläufe und Gegebenheiten der Geräte zu besprechen und hierauf basierend Hygienemaßnahmen zu begründen und festzulegen.

     

    Unsere Arbeit und das Coronavirus sind schwer vereinbar: Augenoptiker und Hörakustiker können Sicherheitsabstände nicht einhalten, haben viele Kontakte mit Kunden. Mit diesem Wissen: Wie sind Sie an das Hygienegutachten herangegangen? 

    Es stimmt, dass Augenoptiker sehr nah am Kunden sind, aber da sind sie bei weitem nicht die Einzigen. Bei der Versorgung von hochinfektiösen Patienten, z. B. in der Zahnmedizin oder der Intensivmedizin, müssen wir als Krankenhaushygieniker dafür sorgen, dass die Bereiche für Patienten und Personal hygienisch sicher gestaltet sind. Diese Hygieneregeln und -pläne sind in den Empfehlungen der Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention (kurz: KRINKO) festgelegt. Und diese Erkenntnisse konnten wir auch auf die Bereiche der Augenoptik und Hörakustik übertragen. Und das mit Erfolg: Wir haben nach Überprüfung der Meldedaten von SARS-CoV-2-Infektionen bei Mitarbeitern seit März 2020 feststellen können, dass die Neuinfektionsrate der Mitarbeiter von Fielmann deutlich unter der der übrigen Bevölkerung in Deutschland liegt.

     

    Eine Pandemie passiert in der Regel alle 100 Jahre. Hand aufs Herz: Waren Sie als Hygienewissenschaftler darauf vorbereitet, was da auf uns zukam? 

    Wir hatten bereits 1996 ein Memorandum zur „Bedrohung durch Infektionskrankheiten – Notwendigkeit einer Neubewertung und einer neuen Präventionsstrategie in Deutschland“ herausgegeben, das heißt jetzt vor 25 Jahren, und sind darin auf die Gefahren zukünftiger Epidemien und Pandemien eingegangen. Gerade vor dem Hintergrund der weltweiten Entwicklung mit Bevölkerungszunahme, hochvernetzten Reiseverbindungen in Tourismus sowie Handel und Verkehr wussten wir damals schon, dass es nur eine Frage der Zeit sein würde, bis es wieder zu einer Pandemie kommen würde. Dennoch hat mich das Ausmaß der Coronavirus-Pandemie überrascht. 

    Etwas Vergleichbares habe ich in meiner mehr als 42-jährigen beruflichen Tätigkeit als Facharzt für Hygiene und Umweltmedizin nicht erlebt. Keine der zwischenzeitlich neu aufgetretenen Infektionskrankheiten hat eine derartige tiefgreifende Auswirkung auf die öffentliche Gesundheit, auf jeden Einzelnen mit so vielen sozialen, wirtschaftlichen und politischen Konsequenzen ausgeübt wie diese heimtückische Erkrankung. 

     

    Ein Blick in die Zukunft: Werden wir Ihrer Meinung nach zu Händeschütteln und Nähe zurückfinden oder werden die Erfahrungen dieser Pandemie nachhaltig etwas an unserem Verhalten verändern? 

    Ich hoffe sehr, dass wir dank Hygienemaßnahmen und Impfung lernen, mit COVID-19 leben zu können und auch wieder mehr Nähe zu anderen Menschen haben und erleben können. Der Mensch ist nun mal ein soziales Wesen. Dennoch bin ich überzeugt, dass die Pandemie zu einem neuen Bewusstsein führen und nachhaltige Konsequenzen für unser Zusammenleben haben wird. Dazu zähle ich den Respekt für Hygieneregeln und deren Bedeutung, aber auch Hygienestrategien für die Wirtschaft, Politik und weitergehende Bereiche wie Städtebau, Wohnungsbau, Bau von Alten- und Pflegeheimen aber auch die Personalausstattung speziell im Pflegebereich in einer immer älter werdenden Gesellschaft. Eines steht fest: Hygieneregeln bieten auch für die Zukunft Sicherheit, denn wir müssen auch zukünftig immer auf eine Pandemie vorbereitet sein. 

     

    Vielen Dank, Herr Prof. Dr. Exner.